
Schach und eSport haben im Großen und Ganzen nicht wirklich etwas miteinander zu tun. Das eine ist nämlich eine offiziell anerkannte Sportart, das andere nicht. Allerdings sehen die meisten eSportler das überhaupt nicht so, wo sie doch aus eigener Erfahrung wissen, dass die Aktivitäten im elektronischen Wettkampf nicht nur, wie von vielen unwissenden Politikern, besorgten Eltern und selbsternannten Experten behauptet wird, auf bloßes Geballere mit der Maus und sinnloses Starren auf den Bildschirm hinauslaufen.
Die Anerkennung des eSports als offzielle Sportart ist seitens des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) noch ausgeblieben, wohingegen die meisten Schachspieler sich selbst ohne schlechtes Gewissen als Sportler bezeichen dürfen. Doch warum weigert sich dann der DOSB beständig, wenn sogar Schach eine Sportart ist, dem eSport eine solche Anerkennung zuzusprechen? Nun, die Antwort der hochgelobten Organisation ist relativ einfach gestrickt. Zuminderst wenn es nach DOSB-Pressesprecher Harald Peiper geht, welcher verlauten ließ, dass dem eSport, genauso wie vielen Denkspielen, eine gewisse "motorische Aktivität" fehle, um als Sportart zu gelten. Schach genieße, so Peiper, aufgrund seiner Gründungsmitgliedschaft einen Sonderstatus und werde als historischer Ausnahmefall gehandhabt.
 |
Die motorische Aktivität fehlt
|
Doch wenn dies das einzige Argument des DOSB zu dem Thema ist, fängt das Ganze an zu bröckeln und die Glaubwürdigkeit zu verlieren. Aber nun gut, wollen wir es aus diesem Blickwinkel einmal betrachen. Denn spätestens dann wird klar, dass die Begründung mit der "fehlenden motorischen Aktivität" alles andere als stichhaltig ist. Jeder eSportler weiß, dass der Körper - vor allem im professionellen eSport - eine Menge zu leisten hat und nicht jeder in der Lage ist, konstante Höchstleistung an den Tag zu legen. Dem richtigen Sport entsprechend hat sich auch schon vor langer Zeit eine eSport-Elite herauskristallisiert, welche sich durch überduchschnittliche Leistung vom Rest der eSportler hervorhebt.
Die Begriffe Hand-Augen-Koordination, Reaktionsgeschwindigkeit und Durchhaltevermögen sprechen dabei wohl für sich und dürfen nicht einfach als selbstverständlich abgetan werden. Und nicht selten sieht man es den professionellen eSportlern auch an, dass sie nach einem anstrengenden Spiel mit den Nerven am Ende sind. Schweißperlen auf der Stirn und rasender Puls sind im heutigen eSport keine Seltenheit. Die geistigen Anforderungen (räumliches Orientierungsvermögen, Spielübersicht, Spielverständnis, vorausschauendes und logisches Denken) seien einmal nur am Rande bemerkt. Mittlerweile ist ebenfalls nachgewiesen, dass "Progamer" unbedingt auf ihre Gesundheit achten müssen, um langfristig konkurrenzfähig zu bleiben. Vielleicht ein zusätzlicher Aspekt, der durch diverse neu auf den Markt gekommene "Pillen" mehr und mehr an Bedeutung gewinnt.
Ist es nicht vielmehr die fehlende Akzeptanz in der deutschen Gesellschaft (in Bulgarien, Brasilien, Amerika und China gilt der eSport schon seit einiger Zeit als offizielle Sportart), die dem eSport die Bezeichnung Sportart verwehrt und so in der Weiterentwicklung erheblich einschränkt? Ist die Gegenwehr seitens des DOSB gerechtfertigt, nur weil Deutschlands 50+ Generation immer noch nicht mit einem Computer umgehen kann? Warum auch, über Killerspiele zu schimpfen ist stets leichter als selbst einmal Hand anzulegen.